Propolis

Propolis (Kittharz) war nicht nur im Altertum ein geschätzter Rohstoff, sondern gewinnt heute zunehmend an Bedeutung. Durch seine vielen Inhaltsstoffe birgt es vielseitige therapeutische und technische Anwendungsmöglichkeiten. Seine konservierenden Eigenschaften wurden schon vor unserer Zeitrechung von den Ägyptem erkannt, in dem sie Propolis zur Einbalsamierung (Mumien) benutzten. Propolis-Lackuberzüge bei Fresken in Pompeji, bei chinesischen und japanischen Hoizgeschirren bewahrten die darunter befindlichen Malereien vor dem Zerfall. Bekannt sind die firnissenden Eigenschaften bei der Herstellung von Anstrichmitteln, besonders im Geigenbau. Stradivari erreichte damit eine bis heute unübertroffene Klangschönheit seiner Instrumente. Spieler von Streichinstrumenten erhöhen mit Propolis die Griffigkeit der Bogensaiten (es ist im Colophonium enthalten). Propolis ist heute ein begehrtes Mittel zur Möbelpolitur. Imker benutzen in Azeton gelöstes Propolis zum Innen- u. Aussenanstrich neuer Beuten, womit ein «Vorwohnen» für einen Schwarm vorgetäuscht wird, damit er nicht wieder auszieht. Propolis findet Verwendung in Desodorans und in Rauchermaterialien; durch Zusatz von Propolis entsteht ein aromatischer Rauch.
Propolis wurde schon im Burenkrieg mit Erfolg zur Wundheilung und gegen Wundfieber eingesetzt. Im letzten Weltkrieg benutzte man in der Roten Armee Kittharzsalbe in Lazaretten gegen Nekrosen und Gangrane. Die therapeutischen Anwendungsmoglichkeiten in der Human- u. Veterinärmedizin sind yielgestaltig. Flavonoide (u. a. Galangin, Pinocembrin, Quercinin, Apigenin, Halangin, Ruthin) finden als Granulat (Dragee) oder in Pulverform sowie auch als Salben oder in gelöster Form Verwendung. Je nach dem Krankheitsbild erfolgt die Anwendung von Propolis cutan, oral, mittels Injektion oder durch Inhalation. Folgende therapeutische Eigenschaften sind bisher bekannt (Schricker, mündl. Mitteilung 1986):
1. antimikrobielle, keimhemmende Wirkung: gegen zahlreiche Arten von Pilzen und Bakterien. Das Quercinin (s. o.) ist gegen Herpes-Viren wirksam. 2. regenerative Wirkung: bei Wundheilung, Gewebsregeneration nach Verbrennungen, bei Ekzemen, Neurodermatitis, in der Chirurgie zumeist als Wundpflaster mit zusätzlichen Klebeeffekt. 3. spasmolytische Wirkung: von Flavonen, die eine Papaverinartige, entkrampfende (spasmolytische) Wirkung auf verschiedne Organe besitzen. 4. betäubende Wirkung: 0,25%ige alkoholische Losung von Propolis ist 3-4mal wirksamer als Kokain und Novokain in analoger Dosierung. Bei der Oberflächen- und Lokalanästhesie werden in der Zahnheilkunde Lösungen und eine Zahnpasta verwendet sowie vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt Ohrentropfen bei Otitis. 5. antithrombogene Wirkung: bei Zusammenballung (Aggregation) von roten Blutkörperchen in Blutkapillaren Verhinderung und Beseitigung derselben mit Wiederherstellung der Mikrozirkulation des Blutes. 6. entzündungshemmende Wirkung: bei Gicht, Rheuma, mykotischen Prozessen. 7. wirksamkeitssteigemd bei Antibiotika:
z. B. Biomycin, Terramycin, Neomycin, Penicillin, Streptomycin u. a. 8. «antiradiologische» Wirkung von Propolis-Salbe, die auf die zu bestrahlende Stelle aufgetragen wird. Die Salbe schützt in der Mehrzahl der Fälle vor der Entstehung von speziflschen Reaktionen (Bestrahlungsschäden) der Haut. - Propolis findet femer Anwendung (nach W. Schwenk, 1984) bei Erkältungen, Grippe, Bronchialasthma bei Kindern, Entzündungen der Mundschleimhäute, des Zahnfleisches, Lungenentzündung, Stimhöhlenvereiterung, Schwerhörigkeit, Schilddrüsenleiden, chronischer oder akuter Darmentzündung, Typhus, Soor und Wundsein bei Säuglingen, Entzündungen der Scheide u. des Gebärmutterhalses, Furunkulose, Akne, Grind, Hühneraugen (hier wird weiches Propolis unter Papier aufgelegt und ein Strumpf zum Schutz darüber gezogen), Fusspilz, Haarausfall, Erfrierungen. In der Veterinärmedizin wird Propolis bei Maul- u. Klauenseuche, bei Rotlauf der Schweine uns bei Tetanus angewendet. -Vor jeglicher unkontrollierter (nicht vom Arzt verordneter) Anwendung bei Mensch und Tier muss gewarnt werden. In hoher Dosierung kann Propolis toxisch wirken (bei Versuchstieren erwiesen!). Ausserdem kann Propolis zu teils schweren allergischen Reaktionen (Pollenallergie besonders bei Kindem) führen. (1 auf 1000 Patienten)